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Landkreis Osterholz

Der Wachtelkönig ist die Symbolart des Landkreises Osterholz.

„Crex crex“ - Ohren auf im Landkreis Osterholz

Mit etwas Glück kann man bei einem Abendspaziergang durch die Niederungen von Hamme und Beek, in den Truper Blänken oder an der Wörpe im späten Mai und Juni die Rufe der Wachtelkönige hören. Die Vogelmännchen versuchen die kaum hörbaren Weibchen anzulocken. Nach der Ankunft aus dem fernen Winterquartier im tropischen oder südöstlichen Afrika haben sie die Nester in dichter Vegetation vorbereitet und wollen sich paaren. Die Flussniederungen des Landkreises erreichen die seltenen, auch als Wiesenrallen bezeichneten Vögel etwa Mitte bis Ende Mai. Die Balzrufe des Wachtelkönigs ertönen vor allem nachts, zu sehen bekommt man den Vogel fast nie.

Der Wachtelkönig ist ein unsteter Brutvogel, in Deutschland und Niedersachsen stark gefährdet und streng geschützt. In der Brutperiode besiedelt er bevorzugt Reviere mit hochwüchsigen Wiesen, Brachen, Seggenriedern oder Staudenfluren an Grabenrändern in Flussniederungen, Niedermooren und am Hochmoorrand. Die Wahl der Brutreviere wird offensichtlich von Wasserständen, Niederschlagsverteilung und kleinteiliger Struktur- und Nutzungsvielfalt bestimmt. Die Voraussetzungen im Landkreis Osterholz sind günstig. Zusammen mit der Wümmeniederung fungiert die Hammeniederung im Landkreis Osterholz regelmäßig als bedeutender deutscher Schwerpunktraum für die Brut. Im letzten Jahrzehnt schwankte die jährliche Zahl der Brutreviere in der Hammeniederung zwischen 53 und 55 in 1998 und 2007 und 0 oder 1 Revier Anfang des Jahrtausends. Der scheue Spätbrüter hat es aber selbst in extensiv genutzten Kulturlandschaften mit erster Mahd im Juni oder Juli schwer. Innerhalb der Brutperiode kommt es zu Umsiedlungen und wechselnden Verteilungsschwerpunkten. Oft wandern im Juli weitere Wachtelkönige ein und es gibt noch eine zweite Brut. Erst im August sind die Jungen der ersten Brut flugfähig.

In der Hammeniederung hat der Landkreis Osterholz im Rahmen eines gesamtstaatlich repräsentativen Naturschutzgroßprojektes mit Förderung von Bund und Land großflächig Grünland angekauft. Dieses wird entweder einer extensiven Grünlandnutzung mit zeitweilig ungenutzten Grabenrändern zugeführt (2007 874 ha) oder aus der Nutzung genommen (2007 103 ha). In 2007 wurde hier zum Schutz des Wachtelkönigs auf 33 Wiesen die Mahd bis August ausgesetzt. Zahlreiche Brutreviere befanden sich in ungenutzten Nassbrachen.

Ein umfangreiches Wegenetz, das seit 2005 unter Beteiligung örtlicher Akteure realisiert wird, unterstützt Besucher im Gebiet des Naturschutzgroßprojektes Hammeniederung und dem darüber hinaus ausgedehnten Vogelschutzgebiet beim Naturerleben. Informationstafeln, die mit Mitteln aus Proland gefördert wurden, informieren über Sehens- und Wissenswertes wie den Wachtelkönig, so z.B. nahe der Hamme bei Melchers Hütte. 2007 konnte man Wachtelkönige östlich der Stadt Osterholz-Scharmbeck entlang der zum Naturerleben neu angelegten Wegeverbindung nach Worpswede verhören, an westlich und östlich der Beek verlaufenden Wegen oder am Uferweg der Hamme bei Neu-Helgoland. Da nicht in allen Jahren gleichmäßig viele Wachtelkönige in der Hammeniederung brüten, sind spontane Führungen sinnvoll. 2007 rief die Biologische Station Osterholz, die im Landkreis für spannende und qualifizierte Umweltpädagogik bekannt ist, kurzfristig zu einer geführten Nachtwanderung in der Zeitung auf, frei nach dem Motto „Wachtelkönige regieren die Hammeniederung“.

Text:
Landkreis Osterholz
Osterholzer Str. 23
27711 Osterholz-Scharmbeck
Tel.: 04791/930577 (Dr. Bettina Frieben)

Wachtelkönig; Foto: Stefan Pfützke

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