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Insel Norderney (Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer)

Die Kornweihe (Circus cyaneus L.) ist ein schlanker, ca. 50 cm großer Greifvogel und die Symbolart für die Insel Norderney.

Eine gute Wahl, denn aufmerksame Spaziergänger haben auf Norderney regelmäßig Chancen, diese seltenen und schönen Vögel auf der Nahrungssuche in den Dünen und Salzwiesen zu beobachten. Kornweihen jagen dicht über dem Boden nach Kleinsäugern, vor allem Mäusen, Kleinvögeln oder auch mal kleinen Kaninchen, an denen auf Norderney kein Mangel herrscht. Ihr niedriger, „gaukelnder“ Suchflug mit leicht v-förmig angestellten Flügeln und überraschenden Wendungen und Haken ist typisch für alle Weihenarten. Geschickt nutzen sie Deckungen aus, um ihre Beute zu überrumpeln.

Aber aufgepasst: Es gibt auf der Insel auch noch die etwas häufigere und größere Rohrweihe, die der Kornweihe ein wenig ähnelt. Bei der Kornweihe ist allerdings die schöne Farbzeichnung des Männchens, hellgrau mit dunklen Flügelspitzen und ein wenig Schwarz und Weiß an Kopf und Schwanz, charakteristisch. Die Weibchen sind eher einfarbig braun gefärbt und haben einen deutlichen weißen Fleck an der Wurzel des Schwanzes, dem Bürzel. Das Weibchen der Rohrweihe hat zwar auch ein braunes Gefieder, trägt aber eine markante hellgelbe Kopfplatte, während das Männchen braun-grau gefärbt ist und besonders zweifarbige Flügel hat.

Hauptbrutplätze der Kornweihe auf Norderney sind der Südstrandpolder und das Große Dünental. Daneben finden sich aber auch regelmäßig einzelne Nester verstreut in den Randdünen. Das Männchen scheint bei den Kornweihen zuständig für die Brutrevierwahl zu sein, das Weibchen dagegen für die Wahl des konkreten Neststandortes. Über dem Brutgebiet zeigen die Männchen bei der Balz Schauflüge in „Girlandenform“ mit nahezu senkrechten Abstürzen, Auffangen und erneutem Hochsteigen. Auch Scheinangriffe auf die unter den Männchen sitzenden oder fliegenden Weibchen kommen vor.

Die Brutzeit beginnt Ende April/Anfang Mai. Die Nester werden am Boden aus trockenem Pflanzenmaterial angelegt, in der Regel in oder an Gebüschkomplexen. Die Gelege bestehen meist aus 4-6 Eiern und werden vom Weibchen 29-31 Tage bebrütet. Das Männchen versorgt das Weibchen mit Nahrung. Die Jungen werden nach ca. 6-7 Wochen flügge und sind bereits nach dem ersten Jahr geschlechtsreif. Wie fast alle Bodenbrüter haben Kornweihen allerdings große Verluste. Pro angefangener Brut fliegen im Durchschnitt nur etwa 1,2 Junge aus und von diesen sterben im ersten Jahr etwa 60%. Die ältesten gefundenen „Ringvögel“ waren dagegen zwischen 13- 16 Jahre alt.

Europaweit ist bei der Kornweihe seit Ende des 19. Jahrhunderts ein dramatischer Bestandseinbruch zu verzeichnen. Hauptgefährdungsursachen sind fortschreitende Veränderungen und Verluste des Lebensraumes durch großräumige Zerstörung der Feuchtheiden, Moore, Auelandschaften und feuchten Grünländer. Trotz des anhaltend gegenläufigen Trends andernorts sind die Brutbestände auf den ostfriesischen Inseln in den letzten Jahren annähernd stabil. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist somit ein echtes Refugium für die beeindruckende und stark gefährdete Greifvogelart. Hier bestehen Beeinträchtigungen vor allem in Störungen an Brutplätzen durch Freizeitnutzung. Daher sei allen Besuchern des Nationalparks die Beachtung der Betretensverbote in den Ruhezonen besonders ans Herz gelegt, will man auch in Zukunft Kornweihen erleben können.

Text:
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Virchowstraße 1
26382 Wilhelmshaven
Tel.: 04421/911-0 


Kornweihe; Foto: Reno Lottmann

Kornweihe; Foto: Reno Lottmann

Kornweihe; Foto: Reno Lottmann

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