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Insel Borkum (Nationalpark Nds. Wattenmeer)

Die Kegelrobbe ist die Symbolart der Insel Borkum, Landkreis Leer, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Ihren Namen verdankt die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ihrer kegelförmigen Kopfform. Diese ist bei den erwachsenen Kegelrobbenbullen besonders gut ausgeprägt, doch auch die weiblichen Kegelrobben wirken dadurch robuster als ihre Verwandten, die Seehunde. Aber es gibt noch mehr Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden Robbenarten. Besonders, wenn beide Arten nebeneinander liegen, werden diese deutlich. Ausgewachsene Kegelrobben sind größer und schwerer als Seehunde. Männliche Kegelrobben werden bis zu 3 m lang und erreichen bis zu 300 Kilogramm Gewicht, weibliche Kegelrobben sind etwas kleiner und leichter, übertreffen jedoch in Größe und Gewicht die hier häufigeren Seehunde ebenfalls deutlich. Während sich bei den Seehunden die Geschlechter nicht in der Fellfärbung unterscheiden, gibt die Färbung bei den Kegelrobben einen Hinweis auf das Geschlecht. Weibliche Kegelrobben tragen ein helles Fell mit dunklen Flecken, männliche ein dunkles Fell mit hellen Flecken. Die Natur hält sich aber nicht immer strikt an diese Vorgaben.

Auch die Wurf- und Aufzuchtzeit der Kegelrobben im Wattenmeer ist ungewöhnlich. Sie bringen ihren Nachwuchs mitten im Winter auf geschützten, hochwassersicheren Sänden oder Stränden zur Welt. Seehunde dagegen werfen im Sommer. Neugeborene Kegelrobben tragen bei der Geburt noch ihr weißes Embryonalhaar, das sogenannte Lanugo. Sie bleiben erst einige Wochen an Land, bis sie abgesäugt sind und den ersten Fellwechsel beendet haben. Besonders während der Säugezeit benötigen Mutter und Kind viel Ruhe und ungestörte hochwasserfreie Bereiche.

Kegelrobben sind die größten Raubtiere bei uns im Wattenmeer. Sie fressen 5-8 Kilogramm Fisch pro Tag - Rundfische und Plattfische, aber auch Garnelen und Tintenfische. Die Beutezüge zu den Jagdrevieren in der Nordsee dauern oft mehrere Tage. Nach den anstrengenden Beutezügen kommen sie an Land, um sich zu erholen. Dann kann man sie gut auf den Sandbänken beobachten.

Im Wattenmeer wird die Kegelrobbe erst seit wenigen Jahrzehnten wieder gesichtet, nachdem sie etwa gegen Ende des Mittelalters als Folge von Bejagung und Störung durch den Menschen hier verschwand. Seit ihrer Rückkehr bildete sie Kolonien im westlichen niederländischen Wattenmeer, bei Amrum und Helgoland, und nun - seit wenigen Jahren - gibt es ebenfalls eine Kolonie im niedersächsischen Wattenmeer. Im Februar 2008 wurden insgesamt 96 Kegelrobben zwischen Ems und Elbe gezählt, zur Hauptwurfzeit im Dezember 2007 beobachtete man insgesamt 25 Jungtiere im Bereich zwischen Borkum und Juist, dem Kernbereich des niedersächsischen Kegelrobbenvorkommen.

Die erste Kegelrobbe am Westkopf von Borkum wurde 1999 gesichtet. Mittlerweile liegen auf der Seehundsbank Hohes Riff rund ein Dutzend Kegelrobben zwischen mehreren Hundert Seehunden. Auf Borkum bietet sich die einmalige Gelegenheit, schon von der Strandpromenade aus Seehunde und Kegelrobben nebeneinander zu beobachten. Mit einem Fernglas lassen sich von hier aus bereits Unterschiede im Körperbau der Tiere erkennen. Besser lernt der interessierte Besucher diese beiden Robbenarten durch einen Ausflug zur Seehundbank unterscheiden. Vom Schutzzaun aus lassen sich die Tiere sehr gut beobachten ohne dass sie sich gestört fühlen.

Bemerkenswert ist, dass auf dem Hohen Riff im Winter 2006/07 und 2007/08 die ersten Kegelrobben-Jungtiere auf Borkum entdeckt wurden. Wenn wir den Schutz weiterhin gewährleisten, wird sich diese Borkumer Kolonie sicher langfristig etablieren.

Weitere Informationen zur Kegelrobbe finden Sie unter  www.nationalpark-wattenmeer.niedersachsen.de/master/C28081182_N28132481_L20_D0_I5912119.html

Text:
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Virchowstraße 1
26382 Wilhelmshaven
Tel.: 04421/911-0 

Alter Kegelrobbenbulle beim Bauchbad; Foto: Richard Czeck

Mutter und Kind zur Winterszeit am Borkumer Strand; Foto: Daniel Holl

Seehundgruppe mit Kegelrobben am Hohen Riff; Foto: Michael Stede

Robbenspur; Foto: Richard Czeck

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