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Insel Baltrum (Nationalpark Nds. Wattenmeer)

Die Lachmöwe ist die Symbolart für die Insel Baltrum, Landkreis Aurich, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Obwohl der wissenschaftliche Name Larus ridibundus „lachende Möwe“ bedeutet, leitet sich der deutsche Name vermutlich von „Lache“ als Bezeichnung für Pfütze oder flache Wasserstelle ab. Denn die kleinste unserer häufigen Möwenarten  - sie ist etwa taubengroß - kommt auch im Binnenland vor, wo sie vor allem flache Seen besiedelt. Der überwiegende Teil aber brütet mittlerweile im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, wo die Lachmöwe mit ca. 30.000 Brutpaaren die häufigste Brutvogelart ist. Die mit Abstand größte Lachmöwenkolonie in Niedersachsen befindet sich seit über 20 Jahren auf Baltrum, wo jedes Jahr bis zu 10.000 Brutpaare ganz in der Nähe des Ortes auf der Salzwiese brüten. Wattenmeerweit gibt es nur auf Griend, einer unbewohnten „Vogelinsel“ in den Niederlanden, eine größere Kolonie.

Während die Brutbestände am Festland in den letzten Jahren sehr stark zurückgehen, ist die Situation im Nationalpark günstiger. Auf den Inseln sind die Bodenbrüter besser vor Beutegreifern wie dem Fuchs geschützt. Obwohl Lachmöwen selbst manchmal Küken fressen und anderen Vögeln mitunter geschickt die Beute abjagen, siedeln sich vor allem Seeschwalben gerne in ihrer Nachbarschaft an; offenbar überwiegt der Schutzeffekt der großen Kolonie gegenüber anderen Nest- und Kükenräubern die Nachteile der nicht ganz ungefährlichen Nachbarn. Auf Baltrum haben sich 2005 erstmals Brandseeschwalben in unmittelbarer Nähe zu den Lachmöwen eingefunden, auch diese Kolonie ist mittlerweile die größte Niedersachsens.

Die Lachmöwe zählt mit ihrer schokoladenbraunen Gesichtsmaske sicher zu den bekanntesten Vogelarten der Küste, allerdings trägt sie dieses Prachtkleid nur etwa von März bis August. Im Winter kann man sie an dem schwarzen „Ohrfleck“ von den anderen Möwen unterscheiden, das ganze Jahr über an dem weißen, keilförmigen Vorderrand der Handschwingen, der besonders im Flug gut zu sehen ist.  Bei Jungvögeln ist dieser Keil noch nicht so deutlich, sie unterscheiden sich außerdem von Altvögeln im Schlichtkleid durch braune Flügelpartien und eine schwarze Schwanzbinde. Bereits in ihrem 3. Jahr sind sie ausgefärbt und brüten in der Regel das erste Mal. Das Brutgeschäft beginnt Mitte April, die Brutplätze in den großen Kolonien werden bereits ab März wieder aufgesucht. Lachmöwen legen meist drei Eier in lose aus Halmen gebaute Nester, die Jungmöwen bleiben als Platzhocker bis zum Flüggewerden im Juli in dem etwa 1 m² großen Revier um das Nest und werden von beiden Eltern gefüttert.

Lachmöwen sind ausgesprochene Nahrungsopportunisten, deren Speiseplan Regenwürmer, Insekten, Krebse, Wattwürmer, Mäuse und kleine Fische umfasst. Auch Aas, Früchte und Samen verschmähen sie nicht.  Beim Nahrungserwerb gehen sie sehr geschickt und vielseitig vor: Wendig verfolgen sie kleine Fluginsekten, bodenbewohnende Tiere befördern sie durch schnelles Trampeln an die Oberfläche, sie können Nahrung von der Wasseroberfläche absammeln und sogar ein wenig Stoßtauchen, um schwimmende Tiere zu erwischen. Auch menschliche Unterstützung wissen sie zu schätzen, so folgen sie pflügenden Bauern, um an Regenwürmer, Mäuse und junge Maulwürfe zu gelangen und Fischkuttern wegen der über Bord geworfenen Abfälle und suchen auch auf Müllhalden nach Fressbarem.

In den letzten Jahren war der Bruterfolg der Lachmöwe in weiten Bereichen des Wattenmeeres – so auch auf Baltrum – schlecht, weil bei einer Sommersturmflut die Kolonien in den Salzwiesen überspült wurden und viele Küken ertranken. Solche Ereignisse wirken sich allerdings nicht so schnell auf die Populationsgröße aus, denn Lachmöwen können 20 bis 30 Jahre alt werden (der älteste beringte Vogel war 32 Jahre alt). Lachmöwen haben also etwas Zeit, solche Verluste wieder auszugleichen.

Lachmöwen kommen bei uns ganzjährig vor, die höchsten Bestände werden im Wattenmeer im August erreicht, wenn Gastvögel aus den nordost-europäischen Brutgebieten eintreffen. Von November bis Februar sind die Zahlen am niedrigsten, weil viele Vögel im Winter in mildere Gebiete wie Südfrankreich oder Spanien ausweichen, einige überwintern auch im Binnenland. Ein Verhalten, das auch bei uns Menschen verbreitet ist.

Die Lachmöwe auf Baltrum

Die wendige kleine Möwe ist auf Baltrum allgegenwärtig, vor allem zur Brutzeit ist die Luft oft erfüllt von ihren jauchzenden „kriiärr“- Rufen, aber auch ihr „ke ke ke“- Stakkato, das ganzjährig zu hören ist, wird den Urlaubern in Erinnerung bleiben. Die Brutkolonie befindet sich im Westheller südlich des Ostdorfes. Sie ist die größte Deutschlands und daher ist die Insel Baltrum schon allein deswegen von nationaler Bedeutung. Bis zu 18 000 (!) Tiere sind von März bis Juli vom Deichweg aus bei ihrem geschäftigen Treiben unüberhör- und unübersehbar; regelmäßig – besonders in den Abend- und Morgenstunden – fliegen die Möwen in großen Schwärmen auf, begleitet von lauten Rufen – ein imposantes Schauspiel! Station 15 des Gezeitenpfades gibt Auskunft über die Lachmöwe und weitere Brut- und Rastvögel der Insel.

Text:
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Virchowstraße 1
26382 Wilhelmshaven
Tel.: 04421/911-0 


Lachmöwen im Prachtkleid; Foto: Thorsten Krüger

Lachmöwe im Winterkleid; Foto: Reno Lottmann

Lachmöwenkolonie auf Baltrum; Foto: Hermann Wietjes

Lachmöwen bei der Nahrungssuche; Foto: Imke Zwoch

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