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Landkreis Verden

Der Steinzkauz ist die Symbolart des Landkreises Verden.

Die Landschaft des Landkreises Verden wird entscheidend von Fließgewässern geprägt. Mit Weser, Aller, Wümme und Eyter, die den Landkreis auf vielen Kilometern durchfließen, sind es gleich vier große Flüsse, die mit ihren breiten Niederungen maßgeblich die Naturausstattung des Landkreises bestimmen. Weil diese Gewässer dabei z.T. stark unterschiedliche Naturräume durchschneiden (Sandtäler/ Niedermoorbereiche) hat sich nicht nur ein unterschiedliches Artenspektrum,  sondern für jede Niederung auch ein typisches und unverwechselbares Landschaftsbild entwickelt. Aller- und Wümmeniederung sind heute als FFH- und VSG-Gebiete Teile des europäischen Schutzgebietssystem „NATURA 2000“ und damit in ihrem derzeitigen Bestand gesichert.

Das für Niedersachsen einzigartige Binnendelta der Wümmeniederung ist darüber hinaus in den letzten 15 Jahren im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes mit erheblichem finanziellem Aufwand renaturiert worden. Durch Vernässungsmaßnahmen, Extensivierungen der Landnutzung und Rückbau von Fließgewässern haben sich Fischotter, Neunaugen, Keiljungfern und viele Vogelarten wie Wachtelkönig, Schilfrohrsänger, Blaukehlchen und Brachvogel in ihren Beständen stark ausbreiten können.

Die Verdener Weserniederung hat niedersachsenweit eine große Bedeutung als Lebensraum des Steinkauzes. Seit 2000 betreibt der Fachdienst Naturschutz in diesem Naturraum mit Unterstützung von BINGO-LOTTO und großem Zuspruch aus der Bevölkerung, der Jägerschaft und der Umweltverbände ein Projekt zur Stützung und Vermehrung des in Niedersachsen vom Erlöschen bedrohten Steinkauzes. Das Niederungsgebiet der Weser ist gekennzeichnet durch einen teilweise noch größeren Anteil offener, meist beweideter Grünlandflächen und eingestreuten landwirtschaftlichen Gehöften mit Resten von Obstbaumbeständen. Besonders hervorzuheben sind die in diesem Raum erhalten gebliebenen Kopfbaumbestände mit einer Gesamtzahl von über 3000 Bäumen, die sich in der Hauptsache aus Weiden und Eschen zusammensetzen.

Der Steinkauz brütet in der Weserniederung meistens in der Nähe einer Hofstelle, die durch eine kleine Apfelbaumwiese, nahgelegene Kuhweiden und Kopfbäume gekennzeichnet ist. Als Bodenjäger braucht der Steinkauz extensiv genutztes, kurzrasiges, beweidetes Grünland mit einer hohen Anzahl an Nahrungstieren, wie Großkäfer, Regenwürmer und Mäuse. Die Hauptursachen für den Bestandsrückgang des Steinkauzes waren Intensivierung und Umbruch von Grünlandflächen, starker Verlust  geeigneter Bruthöhlen, mangelnde Pflege bzw. Beseitigung der Kopf- und Obstbaumbestände, Verlust strukturreicher Dorfrandbereiche durch Bebauung und allgemein der schwindende Strukturreichtum unserer Landschaft.

Zur Sicherung und Vermehrung des Steinkauzbestandes in der Wesermarsch, der auch überregional als wichtiges Bindeglied zu den östlichen Populationen eine große Bedeutung hat, werden im Projektgebiet verschiedene Maßnahmen durchgeführt. Um den Mangel an natürlichen Bruthöhlen auszugleichen, sind an ausgesuchten Stellen, meist in unmittelbarer Nähe einer Hofstelle, 120 Niströhren, meist auf Apfelbäumen, aber auch an Gebäude angebracht worden. Eine Kopfbaumkartierung im Jahr 2000 ergab, dass von den ca. 3000 Bäumen in der Weserniederung 70 % dringend pflegebedürftig waren. Besonders alte, höhlenreiche Weidenbäume brechen bei einer zu schweren Krone auseinander, was zu einem weiteren Verlust des für den Kauz ohnehin knappen Höhlenangebotes führt. Aufgrund des vom Landkreis Verden betriebenen Kopfbaumpflegeprogramms und Finanzmitteln der Bingo-Lotterie konnten bis heute ca. 1300 Kopfbäume gescheitelt werden, wobei die teils schwere Arbeit, die von den Flächeneigentümern bzw. –pächtern durchgeführt wurde, mit 20 Euro pro Baum bezuschusst wurde.

Weiterhin wurden an ausgesuchten Stellen in der Nähe von Brutplätzen in den letzten Jahren ca. 350 Obstbäume (alte, lokale Hochstammsorten) gepflanzt. Wo immer es sich anbot und sich Eigentümer bereit erklärten, wurden zudem Weidenstecklinge gesetzt und neue Eschenbäume gepflanzt, um den Kopfbaumbestand zu verjüngen. Der Erfolg dieses Projektes zeigt sich in der Erhöhung des Steinkauzbestandes von 2 auf 13 Brutpaare. Typische Steinkauzdörfer in der Wesermarsch sind z.B. Oiste, Intschede, Amedorf, Morsum, Rieda und Döhlbergen. Das Projekt wird in den nächsten Jahren fortgeführt.


Text:
Landkreis Verden
Lindhooper Str. 67
27283 Verden
Tel.: 04231/15-757 (Antje Mahnke-Ritoff)

Kopfbäume; Foto: Fachdienst Naturschutz, Landkreis Verden

Fließgewässer im Landkreis Verden; Foto: Fachdienst Naturschutz, Landkreis Verden

Steinkauz; Foto: Antje Mahnke-Ritoff

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