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Landkreis Aurich

Die Wallhecken sind der Symbollebensraum im Landkreis Aurich. Symbolart ist die Strand-Winde.

Die Wallhecken

Wallhecken, mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Wälle, sind Landschaftselemente von landschaftsgestalterischem, ökologischem und wirtschaftlichem Wert. Die Wallhecke ist ein typischer Bestandteil der Kulturlandschaft der ostfriesischen Geest. Die Wallhecken belegen, wie die Landschaft durch menschliche Bewirtschaftung im Lauf der Jahrhunderte gestaltet wurde. Die Bauern, die in der Geest sesshaft wurden, legten ihre Ackerparzellen auf den höher gelegenen sandigen Bereichen an. Als Schutz vor Sandverwehung und weidendem Vieh wurden Wälle aufgeschüttet und mit Sträuchern bepflanzt. Wallhecken sind somit lebenden Einfriedigungen und ausgesprochen haltbar, da sie sich bei richtiger Pflege von selbst reproduzieren und Bau- und Zaunholz sowie Brennholz lieferten. Durch das Zusammenwirken von Wallkörper, Baum-, Strauch- und Krautvegetation kann eine starke Besiedlung durch eine artenreiche Tierwelt erfolgen. Im Verhältnis zum Wald hat eine Wallhecke wesentlich mehr Grenzflächen und eine höhere Biomasseproduktion. Die hohe pflanzliche Produktion ist Grundlage einer großen Zahl von Nahrungsketten und Nahrungsnetzen. Im Winter wird die Wallhecke von Kleinsäugern, Hasen und Rehen genutzt, die Rinde und Zweige verbeißen. Mit Beginn des Frühlings tritt eine große Anzahl saftsaugender Insekten und knospen- und blattfressender Insekten auf. Andere nutzten später dann Blüten, Blätter und Jungtriebe. Die Wallhecke mit ihrem verästelten Gehölz bieten Kleinvögeln Nistmöglichkeiten und Schutz vor Fressfeinden. Fledermäuse ernähren sich von nachtaktiven Insekten, die sie in Wallhecken reichlich vorfinden. Bäume dienen als Singwarten und Ansitzplätzen, bieten Nistmöglichkeiten für Baumbrüter und Sommerquartiere für Fledermäuse.

Die Wallhecke ist gefährdet durch die Mechanisierung und Intensivierung in der Landwirtschaft, durch Überweidung, keine oder mangelnde Pflege, Straßenbau und -verbreiterung, Ausdehnung von Siedlungsflächen und Flächenzusammenlegung sowie fehlendes oder mangelndes Bewusstsein in der Bevölkerung. Die Wallhecke ist vielfach zu Baumreihen durchgewachsen oder/und weist nur noch Reste von Wall- und Gehölzstrukturen auf. Das ursprüngliche, in den wesentlichen Merkmalen einheitliche Bild einer Wallhecke, Wallkörper plus Hecke plus Überhälter, hat sich aufgelöst. Viele Wälle sind degradiert. Die Abtragung eines Walles ist ein Prozess der Erosion, der bei unterlassener Wallpflege abläuft. Diese Entwicklung wird verstärkt, wenn die Wallhecke mangelhaft oder gar nicht eingezäunt ist und somit Viehtritt und Viehverbiss ausgesetzt ist. Auch das Anpflügen des Walles führt zu einer schleichenden Zerstörung. Durch unterlassenen oder jährlich wiederkehrenden Gehölzschnitt haben sich Gehölze zu hohen Bäumen entwickelt, die, auf Wällen in Reihe stehend, kaum noch einen Unterwuchs zulassen.

Die Wallhecke war der erste Landschaftsbestandteil, der generell naturschutzrechtlich geschützt wurde, und zwar durch eine Verordnung vom 29.11.1935. 1981 wurde diese Verordnung durch den § 33 des Niedersächsischen Naturschutzgesetztes (NNatG) abgelöst, der am 21.03.1990 noch ergänzt wurde. Nach dem § 33 NNatG sind alle Handlungen, die das Wachstum der Bäume und Sträucher beeinträchtigen, zu unterlassen. Erlaubt sind Pflegemaßnahmen. Zulässig bleibt auch eine Nutzung der Bäume und Sträucher, wenn deren nachwachsen nicht behindert wird. Als Grundlage für den verbesserten Vollzug des gesetzlichen Wallheckenschutzes werden Wallheckenkartierungen durchgeführt. Als Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit wurde ein spezielles Merkblatt über Wallhecken erstellt um damit die Bedeutung der Wallhecke im öffentlichen Bewusstsein zu verankern sowie den Besitzern Hinweise zum Schutz und Pflege zu geben.

Die Strand-Winde

Die Strand-Winde (Calystegia soldanella) ist eine gemäß der Roten Liste und Florenliste der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen (siehe Literaturliste Nr. 1) vom Aussterben bedrohte Art und kommt in Niedersachsen nur in der Küstenregion auf einigen Inseln vor. Die Strand-Winde wurde nach dem Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen (siehe Literaturliste Nr. 2) im Kartierzeitraum 1982 – 2003 in Niedersachsen von den ostfriesischen Inseln Spiekeroog, Langeoog (beide Lkr. Wittmund), Baltrum, Juist (beide Lkr. Aurich) und Borkum (Lkr. Leer) gemeldet. Für die beiden im Landkreis Aurich liegenden Inseln Baltrum und Juist wurden die Vorkommen durch relativ aktuelle Meldungen bestätigt.

Bei der zur Familie der Windengewächse (Convolvulaceae) zählenden Strand-Winde handelt es sich um eine indigene, d.h. um eine seit jeher bei uns heimische Art. Sie ist sowohl auf der Roten Liste und Florenliste der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen (siehe Literaturliste Nr. 3) als auch auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen in Schleswig-Hostein (siehe Literaturliste Nr. 4) jeweils mit der Gefährdungskategorie 1, vom Aussterben bedroht, verzeichnet. Auch in der Roten Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands ist ihr diese Gefährdungskategorie zugeordnet. Als in der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchVO) in Anhang 1 verzeichnete Art ist sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng und besonders geschützt.

Als Gefährdungsursachen gelten: ausbleibende Küstendynamik (Ursache seit 1988 anhaltend), Küstenschutz (Ursache seit 1988 anhaltend), betreten und befahren (Ursache seit 1988 anhaltend - siehe Literaturliste Nr. 5).

Von den Baltrumern auf ihrer Insel durchgeführte Vermehrungs- und Aussiedlungsversuche sind gescheitert. Die Strand-Winde ist nicht so zäh und widerstandsfähig wie andere Windengewächse. Mit ihrer von fünf klaren Streifen gezeichneten rosa Blütenkrone ist die Strand-Winde eine bemerkenswerte und schöne Pflanze. Nach Ribani/H. Kuhbier (siehe Literaturliste Nr. 6) hat sie früher auf allen Inseln die Dünenabhänge mit dunkelgrünem, glänzenden Laub geschmückt. "Heute ist ein etwaiges Vorkommen auf allen anderen Inseln geheim."

Der Gattungsname Calystegia bedeutet "Zaunwinde" (lat. calyx "Blütenkelch" und gr. stégē "Bedeckung". Der Kelch ist von zwei Vorblättern umgeben. Der Artname soldanella ist am einleuchtendsten vom altokzitanischen Wort solda "Soda" aufgrund des Salzgehalts der Pflanze abzuleiten (siehe Literaturliste Nr. 7). Volkstümliche Namen sind: Meer-Kohl, Meerstrandswinde, Dünenwinde.

Literatur:

1.  GARVE, E. (2004): Rote Liste und Florenliste der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen, 5. Fassung, Stand 1.3.2004. Inform. d. Naturschutz Nieders. 24. Jg. Nr. 1, 1 – 76, Hildesheim
2.  GARVE, E. (2007) unter Mitarbeit von A. Schacherer, E. Bruns, J. Feder & T. Täuber: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. - Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. H. 43, 507 S.
3.  Mierwald, U & Romahn K (2006): Die Farn- und Blütenpflanzen Schleswig-Holsteins – Rote Liste, Band 1. - Lan-desamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Flintbeck
4.  Ludwig, G., Schnittler, M. (1996): Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands, Bonn: BfN, Schriftenreihe für Vegetationskunde 28
5.  www.floraweb.de/pflanzenarten/gefaerdung.xsql?suchnr=1014&
6.  Ribani, H., H. Kuhbier (1988): Blühende Phantasien, Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e. V., Dornum
7.  Genaust, Helmut (1996): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., überarb. u. erw. Aufl., Birkhäuser Verlag AG, 701 Seiten

Text:
Landkreis Aurich
Fischteichweg 7
26603 Aurich
Tel.: 0491/166076 (Helene Eilers)

Wallhecken; Foto: Archiv Landkreis Aurich / Helmut Elies

Strandwinde; Foto: Olaf von Drachenfels

Wallhecken; Foto: Archiv Landkreis Aurich / Helmut Elies

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